Die Stillen Hunde in Göttingen: Münchhausens Abenteuer als literarisches Duell


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Wenn die Wahrheit zu gewöhnlich wird: Münchhausen als literarisches Duell
Am 10. Oktober 2026 verwandelt sich die Kleinkunstbühne Geismar in Göttingen in einen Schauplatz für sprachliche Abenteuer, absurde Behauptungen und die große Kunst des Erzählens. Stefan Dehler und Christoph Huber, bekannt als Die Stillen Hunde, stellen sich in einem literarischen Wettstreit dem legendären Baron Münchhausen und seinem prekären Verhältnis von Wahrheit und Lüge.
Zwischen Erzählkunst und frecher Übertreibung
Die Erzählungen von Gottfried August Bürger bilden den Ausgangspunkt für einen Abend, an dem Gewissheiten ins Wanken geraten. Münchhausens fantastische Abenteuer werden zum Material einer szenischen Lesung, die literarische Vorlage, Schauspiel und komödiantischen Schlagabtausch miteinander verbindet. Was klingt wie eine unglaubliche Geschichte, erhält in diesem Format eine eigene poetische Logik.
Die Stillen Hunde erforschen mit sprachlicher Kunstfertigkeit, wie Wirklichkeit entsteht: durch Erinnerung, Behauptung, Übertreibung und die Bereitschaft des Publikums, einer guten Geschichte zu glauben. Der literarische Wettstreit entwickelt daraus ein unterhaltsames Spiel mit Narrativen, Perspektiven und der Frage, ob eine Lüge nicht manchmal näher an einer tieferen Wahrheit liegt.
Stefan Dehler und Christoph Huber: Theatermacher mit literarischem Gespür
Stefan Dehler und Christoph Huber gründeten die Stillen Hunde 2008. Beide waren zuvor langjährige Mitglieder des künstlerischen Ensembles des Deutschen Theaters in Göttingen. In ihren Produktionen verbinden sie konzentriertes Schauspiel mit genauer Textarbeit, körperlicher Präsenz und einem ausgeprägten Sinn für komische Brüche.
Ihr Repertoire reicht von literarischen Stoffen über Kinder- und Jugendtheater bis zu soziokulturellen Projekten. Frühere Arbeiten wurden auch im Ausland gezeigt, unter anderem in Finnland, der Türkei, Rumänien, Kroatien, Österreich und der Schweiz. Die lokale Verankerung des Ensembles verbindet sich dabei mit einer überregionalen Theaterpraxis.
Eine Lesungs-Atmosphäre voller Zweifel und Vergnügen
Dieser Abend verspricht kein stilles Vorlesen im herkömmlichen Sinn. Stimme, Rhythmus und szenisches Spiel verleihen den Geschichten eine unmittelbare Bühnenenergie. Die intime Atmosphäre der Kleinkunstbühne schafft Raum für genaues Zuhören, spontane Reaktionen und den gemeinsamen Genuss einer Erzählung, deren Wahrheitsgehalt bewusst offenbleibt.
Literaturfreunde erleben eine Autor-Begegnung besonderer Art: Nicht ein einzelner Verfasser steht im Mittelpunkt, sondern die lebendige Auseinandersetzung mit einem Stoff, der seit Jahrhunderten zwischen Volksbuch, Satire und Abenteuergeschichte changiert. Gottfried August Bürgers Münchhausen-Erzählungen werden dabei nicht museal präsentiert, sondern als bewegliches Material für eine zeitgenössische literarische Performance genutzt.
Was das Publikum erwartet
Das Publikum erwartet ein humorvolles und zugleich erkenntnisreiches literarisches Erlebnis über Erfindung, Erinnerung und die Macht der Sprache. Die Stillen Hunde machen aus Münchhausens Abenteuern ein frech-fröhliches Duell, in dem jede Behauptung den nächsten Widerspruch provoziert und jede Wahrheit ihre eigene Bühneninszenierung erhält.
Wer Literatur gerne hört, sieht und im direkten Austausch mit Schauspielern neu entdeckt, sollte diesen Abend live erleben. Am Samstag, 10. Oktober 2026, beginnt die Veranstaltung um 19:30 Uhr in der Kleinkunstbühne Geismar. Karten kosten im Vorverkauf und an der Abendkasse 15 Euro.
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