„Wer von uns darf trösten?“: Literaturabend über Trost und Shoah in Göttingen


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Zwischen Trost und Untröstlichkeit: Ein Abend über die Shoah
Wie lässt sich über Trost sprechen, wenn eine historische Wunde nicht geschlossen werden darf? Am 19. November 2026 widmen sich Dr. Sebastian Köthe und Dr. Dietmar Sedlaczek im Stadtlabor Göttingen der Frage, die Nelly Sachs in ihrem Gedicht Chor der Tröster formulierte: Wer von uns darf trösten?
Literatur als Erinnerung und Widerstand
Im Zentrum des Abends stehen Gedichte und Zeugnisse, die von Trost und Untröstlichkeit im Angesicht der Shoah erzählen. Die Veranstaltung führt in einen sensiblen literarischen und historischen Diskurs über Sprache nach dem Genozid, über die Grenzen des Sagbaren und über die Verantwortung des Erinnerns.
Nelly Sachs’ Dichtung bildet dabei einen wichtigen Bezugspunkt. Ihre poetische Sprache hält die Wunde der Verfolgung offen und verweigert jede vorschnelle Versöhnung. Trost erscheint nicht als einfache Antwort, sondern als ambivalente menschliche Praxis, die Nähe schaffen und zugleich problematisch werden kann.
Wissenschaftliche Perspektiven auf Trost
Dr. Sebastian Köthe arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Zeitgeschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sein Forschungsprojekt Schwacher Trost im Angesicht der Shoah untersucht die Bedeutung von Trost angesichts historischer Gewalt.
Dr. Dietmar Sedlaczek hat sich wissenschaftlich mit Häftlingsberichten von Opfern nationalsozialistischer Verfolgung beschäftigt und zahlreiche Interviews geführt. Als langjähriger Leiter der KZ-Gedenkstätte Moringen begleitete er ehemalige Häftlinge der Moringer Konzentrationslager.
Eine Lesungs-Atmosphäre zwischen Stimme, Zeugnis und Stille
Das Gespräch verbindet literarische Lesung, historische Einordnung und Reflexion. Gedichte und Zeugnisse treten in einen Dialog mit wissenschaftlicher Expertise. So entsteht ein konzentriertes literarisches Erlebnis, das nicht auf schnelle Antworten zielt, sondern auf genaues Zuhören, auf sprachliche Kunstfertigkeit und auf die Frage, wie Erinnerung lebendig bleibt.
Gedenken als kulturelle Verantwortung
Die Veranstaltung findet im Rahmen einer Veranstaltungsreihe zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus statt. Sie richtet den Blick auf die kulturelle Bedeutung von Literatur und Zeitzeugenschaft und fragt, wann Tröstungsversuche politisch problematisch werden. Gerade darin liegt ihre Aktualität: Erinnerung verlangt nicht nach Beruhigung, sondern nach Aufmerksamkeit.
Fazit
Besucherinnen und Besucher erwartet ein eindringlicher Abend mit Gedichten, Zeugnissen und einem fachkundigen Gespräch über Trost, Trauer und die Grenzen menschlicher Sprache. Wer Literatur als Raum der Erinnerung und des kritischen Denkens erlebt, findet im Stadtlabor Göttingen einen wichtigen Ort der Begegnung. Der Eintritt ist frei.
Offizielle Kanäle von Sebastian Köthe und Dietmar Sedlaczek:
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