Lidartis Ester in Göttingen: Ein hebräisches Oratorium trifft die Gegenwart


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Ein hebräisches Oratorium zwischen Barockklang und Gegenwart
Am Sonntag, den 15. November 2026, erklingt in der St. Paulus-Kirche Göttingen Giuseppe Lidartis Ester – ein außergewöhnliches Oratorium in hebräischer Sprache. Das Göttinger Barockorchester verbindet das historische Werk mit zeitgenössischen Texten und neuer Musik zu einem vielstimmigen Konzertabend über Mut, Zugehörigkeit und Selbstbehauptung.
Historische Musik mit überraschender Aktualität
Cristiano Giuseppe Lidarti, 1730 in Wien geboren und später in Italien tätig, komponierte Ester im Jahr 1774 für die portugiesisch-jüdische Gemeinde in Amsterdam. Das Werk gilt als eines der umfangreichsten erhaltenen Beispiele hebräischer Gelehrtenmusik des 17. und 18. Jahrhunderts. Seine Klangsprache bewegt sich zwischen spätbarocker Oratorientradition und dem galanten Stil der Vorklassik.
Barockorchester, Stimmen und dramatische Kontraste
Die Partitur setzt auf solistische Gesangspartien, gemischten Chor und ein kammermusikalisch besetztes Orchester mit Streichern, Bläsern und Basso continuo. Arien, Duette und chorische Passagen zeichnen die Geschichte der Königin Ester mit expressiven Kontrasten, klarer melodischer Gestaltung und festlicher orchestraler Farbigkeit nach.
Ein musikalisch-literarischer Dialog
In der Göttinger Produktion trifft Lidartis Oratorium auf neue Texte der Schriftstellerin Lena Gorelik und eine Auftragskomposition des jüdischen Komponisten Ohad Ben-Ari. Jüdische Erzählungen aus den vergangenen 250 Jahren treten in Beziehung zur biblischen Ester-Geschichte. So entsteht ein Konzertformat, das historische Aufführungspraxis, zeitgenössische Komposition und literarische Reflexion miteinander verschränkt.
Starke Stimmen für eine zeitlose Geschichte
Auf der Bühne stehen Antonius Adamske, Lavinia Dames, Johanna Kaldewei, Andreas Post und Janno Scheller. Gemeinsam mit dem Göttinger Barockorchester und den beteiligten Ensembles entsteht ein Konzerterlebnis, in dem Gesang, Orchestrierung und Bühnenperformance die Themen Erinnerung, Verantwortung und Zivilcourage hörbar machen.
Live-Atmosphäre in der St. Paulus-Kirche
Die sakrale Akustik der St. Paulus-Kirche verleiht den Stimmen und Instrumenten besonderen Raum. Zwischen leuchtenden Tutti, konzentrierten Rezitativen und intimen Arien entwickelt sich eine intensive Publikumsstimmung. Die historische Klangsprache erhält dabei eine unmittelbare Gegenwartsperspektive: Ester wird nicht als fernes Bibeldrama erzählt, sondern als Geschichte über Handlungsspielräume und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Fazit: Ein besonderer Konzertabend in Göttingen
Das Göttinger Barockorchester lädt zu einer seltenen Begegnung mit einem hebräischen Oratorium des 18. Jahrhunderts ein. Wer Alte Musik, Barockorchester, jüdische Musikgeschichte und zeitgenössische Konzertformen verbinden möchte, erlebt am 15. November 2026 einen Abend voller klanglicher Tiefe und gesellschaftlicher Resonanz. Tickets sind ab 25 Euro erhältlich; Studierende erhalten Karten für 5 Euro an der Abendkasse.
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