"Ich verstehe Ihren Unmut" im LUMIÈRE: Ein Filmabend über Arbeit und Würde


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Wenn Arbeit zur Zerreißprobe wird: "Ich verstehe Ihren Unmut" in Göttingen
Am 3. November 2026 öffnet das Kino LUMIÈRE in Göttingen den Blick auf eine Arbeitswelt, die im Alltag häufig unsichtbar bleibt. Kilian Armando Friedrichs Spielfilm "Ich verstehe Ihren Unmut" begleitet Heike, eine 59-jährige Objektleiterin in der Gebäudereinigung, zwischen Personalmangel, Kostendruck und wachsender Verantwortung. Im Anschluss an die Vorführung vertieft ein Filmgespräch die sozialen und politischen Fragen des Dramas.
Eine Hauptfigur zwischen Druck und Loyalität
Heike bewegt sich in einem permanenten Ausnahmezustand. Sie vermittelt zwischen Kundschaft, Unternehmensleitung und Reinigungskräften, organisiert Abläufe und greift selbst zum Wischmopp, wenn das Personal fehlt. Ihre barsche Art entspringt keinem einfachen Charakterbild, sondern einem System, das von ihr zugleich Härte, Verlässlichkeit und menschliche Fürsorge verlangt.
Sozialrealismus mit dokumentarischer Unmittelbarkeit
Die Inszenierung verbindet die Präzision eines Sozialdramas mit der Nähe des dokumentarischen Blicks. Laiendarstellerinnen und Laiendarsteller, die sich teilweise selbst spielen, verleihen dem Film eine besondere Authentizität. Eine bewegliche Handkamera bleibt dicht an Heike, folgt ihren Wegen durch Einkaufszentren und Arbeitsräume und übersetzt den Atem des Arbeitsalltags in eine beklemmende Bildsprache.
Der Niedriglohnsektor als unsichtbare Bühne
Im Zentrum steht ein Konflikt, der weit über den einzelnen Arbeitsplatz hinausweist. Nachdem Heike versucht hat, eine Arbeitskraft eines wichtigen Subunternehmers abzuwerben, gerät die fragile Ordnung weiter ins Wanken. Der Subunternehmer droht mit dem Ende der Zusammenarbeit, sofern ihm nicht mehr Stunden und Umsatz zugesichert werden. Heike muss zwischen der Verantwortung für ihre Mitarbeitenden und den Bedingungen eines prekären Beschäftigungssystems entscheiden.
Ein preisgekröntes Spielfilmdebüt im Gespräch
Der 2026 entstandene Film feierte seine Uraufführung im Panorama der Berlinale. Regisseur Kilian Armando Friedrich, der zuvor dokumentarisch gearbeitet hat, legt mit seinem ersten Langspielfilm eine präzise Studie über Erschöpfung, Würde und die Entwertung von Arbeit vor. Sabine Thalau, die Heike spielt und selbst in der Reinigungsbranche arbeitet, verankert die Schauspielkunst in einer eindringlichen, lebensnahen Darstellung.
Nach dem Film diskutieren Sabine Thalau und Dirk Eilert von der IG BAU über Arbeitsbedingungen, Personalmangel und die gesellschaftliche Unsichtbarkeit der Gebäudereinigung. Die Kooperationsveranstaltung von Bildungswerk ver.di, ver.di Bezirk Süd-Ost-Niedersachsen und DGB Göttingen verbindet Kinoerlebnis und politische Gesprächskultur.
Fazit: Ein Bühnenerlebnis im Kinosaal
"Ich verstehe Ihren Unmut" verspricht einen konzentrierten Kinoabend mit starker Theateratmosphäre, sozialer Dringlichkeit und anschließender Publikumsdiskussion. Wer die Mechanismen des Niedriglohnsektors nicht nur abstrakt verstehen, sondern in Gesichtern, Bewegungen und Stimmen erleben möchte, findet im LUMIÈRE einen eindringlichen Anlass zum Hinsehen und Weiterdenken. Der Eintritt ist frei; Platzreservierungen sind online möglich.
Offizielle Kanäle von Kilian Armando Friedrich:
- Instagram: kein offizielles Profil gefunden
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